Intro: Haptonomie; Raus aus deinem Kopf, rein in deinen Körper!

Haptonomie; Raus aus deinem Kopf, rein in deinen Körper! 

 

Physiotherapie kennst du bestimmt, aber von Haptonomie hast du wahrscheinlich noch nicht viel gehört. Deshalb werde ich in diesem ersten Blog-Artikel mal schauen, ob ich das Thema 'Haptonomie' für dich verdeutlichen kann! 


Wo kommt die Haptonomie her?

Die Haptonomie ist in den 50er Jahren von dem Holländer Frans Veldman entwickelt worden und ist in den Niederlanden mittlerweile eine bekannte und renomierte Therapie. Der Begriff Haptonomie setzt sich zusammen aus den griechischen Begriffen hapsis und nomos. "Hapsis" bezeichnet den Tastsinn und "Nomos" die Regel, zusammen bedeutet Haptonomie also die ‘Regeln des Tastsinns’; sie wird auch die „Wissenschaft der Affektivität“ genannt. 
Der Tastsinn ist äussert wichtig für uns Menschen. Dank des Tastsinns kannst du zum Beispiel fühlen, ob etwas warm oder kalt, hart oder sanft, stumpf oder scharf ist. Dies ist eine sehr basale Form vom Fühlen, die nach aussen gerichtet ist, und bei den meisten von uns gut funktioniert.

Wenn wir nach aussen fühlen können, können wir wahrscheinlich auch nach innen fühlen?

Richtig! Und dort begegnest du zuerst deinem Körper. Du kannst z.B. fühlen, ob deine Muskulatur sehr verspannt ist oder ob dein Bauch verkrampft ist. Dein Körper kann dir viele wichtige Informationen geben über den Zustand, in dem du dich befindest. Ausserdem könntest du noch ein bisschen tiefer gehen und ín dich hinein hören: ‘Wie fühlst du dich?’ Dein Körper kann dir nämlich auch viel erzählen über deine Emotionen und Gefühle, da diese deutliche körperliche Komponenten haben. Ein Kloß im Hals, Knoten im Magen, Schweißausbrüche oder kalten Schweiß der über deinen Rücken läuft, ein rasendes Herz; du kennst sie bestimmt, aber hörst du auch auf sie?

 

 

Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen deinem Gemütszustand und deinem körperlichen Zustand. Wenn du beispielsweis abends entspannt einen Film anschaust, atmest du ganz anders, als wenn du dich morgens verschlafen hast und dich beeilen musst, damit du nicht zu spät zur Arbeit kommst. Auch deine Körpertemperatur wird in dieser Situationen anders sein, genauso wie die Spannung in deiner Muskulatur. Aber hé! Das ist ja alles kein Problem! Wenn du dich beeilen musst dann soll dein Tempo absolut höher sein; und somit auch dein Herzschlag, Körperspannung und deine Atmung. Wenn du dich allerdings in der Mittagspause beim Bäcker ein Brötchen holst, sollte sich dies längst schon wieder normalisiert haben. Dort solltest du nicht zähneknirschend  stehen, da die Verkäuferin so 'langsam' (sprich entspannt) der alten Dame vor dir hilft. Ebenso sollte dir das Brötchen schmecken, und nicht schnell auf dem Rückweg "weggedrückt" werden. Am Ende deines Arbeitstages solltest du nicht mit einen aufkommendem Kopfschmerz nach Hause fahren. Ebenso solltest du Abends beim zu Bett gehen nicht schon Bauchschmerzen bekommen bei den Gedanken an all das, was dir die nächsten Tage noch bevorsteht.


Dein Herzschlag, Körperspannung und Atmung sollte erhöht sein, wenn es wírklich notwendig ist, aber viel zu oft passiert es uns durchgehend bei ganz normalen Alltäglichkeiten.

 

 

In unserer erfolgs- und leistungsorientierten Gesellschaft haben Gefühle oft keinen Platz
und ist es leider nicht ‘normal’ öffentlich  Schwäche zu zeigen oder um Hilfe zu fragen. 
Geprägt durch die Erziehung und Gesellschaft neigt man dazu, sich so zu verhalten, "wie es sich gehört", wie es die Umgebung von einem erwartet oder wie die Eltern es wünschen. Statt innezuhalten rasen wir weiter, beißen die Zähne zusammen, Kopf hoch, Schultern runter und los.

 

Viele Menschen haben so den Kontakt zu ihrem eigenen Körper, ihren Gefühlen und zu dem, was sie tief in sich fühlen und erleben, verloren. Das passiert oft ganz unbewusst und man merkt gar nicht, dass man sich gegen seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse entscheidet. Im Gegenteil, man ist der Überzeugung, dass es so richtig ist. Aber wenn du deine Gefühle langfristig ignorierst und wegdrückst können physische, sprich körperliche Beschwerden entstehen oder sogar chronisch werden, wie z.B. Kopfschmerzen, Schwindel, Verspannungen, Kiefergelenksstörungen, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen oder Verdauungsprobleme. Eine solche Entfernung von dir selbst kann aber auch ein wesentlicher Grund sein für Störungen des persönlichen Wohlbefindens, für depressive Verstimmungen und schwere Lebenskrisen.

 

Langfristig ‘unter Stress zu stehen’ hat Auswirkungen sowohl auf psychische als auch auf deine körperliche Gesundheit.

In der Haptonomie wird deshalb nicht nur dein Körper aber auch deine Person beachtet. Es wird versucht, dich wieder in Kontakt zu bringen mit dir selbst; deinem Körper und deinen eigenen Gefühlen. Es hilft dir, dir bewusst zu werden, was es zu fühlen gibt, um somit an die möglichen Ursachen deiner Beschwerden zu gelangen. Du lernst zu fühlen, welche Signale dir dein Körper gibt. Du erfährst, wie erleichternd es ist, auf die Stimme deines Körpers zu hören.

 

Wo in der heutigen Zeit oft das Denken (Ratio) dominiert, steht in der Haptonomie das Gefühl im Vordergrund, wobei das Gefühlszentrum sich unten im Bauch befindet. Dort nimmst du die meisten Gefühle bzw. Emotionen war; die Schmetterlinge des verliebten Gefühls, die Freude wenn du einen lange nicht gesehenen Freund wieder siehst, aber auch die Trauer, wenn du einen geliebten Menschen verloren hast oder der Stein im Magen, der bei Angst entstehen kann.

 

Oft befinden wir uns zu viel im Kopf, `verkopfen‘ wir uns mit Folgebeschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus, Schulter-Nacken Schmerzen, Konzentrationsstörungen usw.  Während der haptonomischen Behandlung helfe ich dir, wieder die Verbindung zu deinem Körper und deinen Gefühlen zu erfahren und die daraus entstehenden körperlichen `Auswirkungen‘ wahrzunehmen. Ich lasse dich entdecken, wie du auf deinem (Bauch)Gefühl hören kannst und wie dies für mehr Entspannung, innere Ruhe, Schmerzlinderung, Selbstbewusstsein und Vertrauen führt. Der Appell an deinen eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten zur Selbstheilung ist ein wesentlicher Bestandteil der haptonomischen Begleitung. Deshalb:


"Raus aus deinem Kopf und rein in deinen Körper!"